Abstracts zu den Hauptvorträgen

Inhaltliche Schwerpunkte der Vorträge auf dem Jubiläumskongress der DGhK

Dieser Überblick wird laufend aktualisiert - schauen Sie gerne öfter vorbei! Zum PDF-Download der Abstracts.

Prof. Dr. Miriam Vock (Universität Potsdam)
Intelligenz, Begabung, Förderung ...
Grundlagen der Begabungsforschung - Update 2018

Der Vortrag nimmt die zentralen Grundlagen für die Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher in den Blick und berichtet über aktuelle wissenschaftliche Befunde aus der Forschung. Im ersten Teil wird die Erkennung von Hochbegabung im Mittelpunkt stehen: Was versteht man in der Wissenschaft eigentlich unter Intelligenz und wie kann man sie messen? Welche Aussagekraft haben moderne Intelligenztestverfahren? Im zweiten Teil geht es um die Frage, was hochbegabte Kinder und Jugendliche ausmacht: Welche Rolle spielt die hohe Begabung für die Entwicklung und das Sozialleben von Kindern und Jugendlichen? Welche besonderen Bedürfnisse und Interessen bringen sie mit? Im dritten Teil schließlich geht es um Möglichkeiten der Förderung: Welche Förderansätze sind besonders wirksam und deshalb besonders empfehlenswert? Wie kann angemessene Förderung im Regelunterricht organisiert werden und welche schulischen und außerschulischen Möglichkeiten gibt es darüber hinaus? Der Vortrag bietet einen Einstieg ins Thema für alle Interessierten, möchte aber auch diejenigen Pädagog/innen, Lehrkräften, Psycholog/innen und Eltern, die sich schon länger mit der Begabungsförderung beschäftigen, über aktuelle Befunde und Entwicklungen informieren.

Prof. Dr. Franzis Preckel (Universität Trier)
Akzeptanz, Erwartungen, Vorurteile
Implizite und explizite Vorstellungen von Lehrkräften zu Hochbegabten

Vorstellungen von Lehrkräften zu hochbegabten Schülerinnen und Schülern sind hoch relevant. Zum einen spielen sie bei der erfolgreichen Bewältigung der beruflichen Aufgaben eine Rolle, denn sie können in spezifischer Weise mit der Motivation der Lehrkräfte für das Unterrichten Hochbegabter zusammenhängen. Zum anderen können die Vorstellungen und Erwartungen einer Lehrkraft auch die tatsächliche Entwicklung der Lernenden beeinflussen. Das Thema Hochbegabung spielt jedoch in der Lehrerausbildung oft keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die Vorstellungen über diese Schülergruppe basieren daher häufig auf Laientheorien, welche durch Stereotype oder Vorurteile verzerrt sein können.
Im Vortrag geht es daher um Vorstellungen von Lehrkräften und Lehramtsstudierenden über hochbegabte Schülerinnen und Schüler. Welche Eigenschaften und Merkmale assoziieren Lehrkräfte und Lehramtsstudierende mit dieser Schülergruppe? Hat dies Folgen für die Bewertung hochbegabter Schülerinnen und Schüler? Und wie hängen bestimmte Vorstellungen mit der Motivation der Lehrkräfte für das Unterrichten Hochbegabter zusammen?
Die Ergebnisse mehrerer Forschungsarbeiten zeigen in Teilen deutliche Diskrepanzen zwischen Vorstellungen und Fakten zuungunsten hochbegabter Schülerinnen und Schüler auf. Dies kann sich durchaus negativ auf das Erkennen und Fördern dieser Schülerinnen und Schüler auswirken. Die Auseinandersetzung mit und die Reflexion von eigenen Vorstellungen über hochbegabte Schülerinnen und Schülern ist damit ein wichtiger Bestandteil der Professionalisierung von Lehrkräften für das Unterrichten hochbegabter Schülerinnen und Schüler.

Univ.-Prof.in Dr.in Brigitte Sindelar (Sindelar Center Wien)

Teilleistungsschwächen
Symptombilder, Diagnostik, Behandlung

Teilleistungsschwächen sind partielle Entwicklungsdefizite im Netzwerk der informationsverarbeitenden Funktionen, die wiederum die Basis höhere kognitiver Prozesse und Leistungen bilden. Die bekanntesten Auswirkungen sind Störungen der Lese- und Schreibentwicklung, der Rechenfertigkeiten und der Konzentration und Aufmerksamkeit. Weniger Beachtung finden die jedoch nicht weniger bedeutsamen Einflüsse von Teilleistungsschwächen auf die Exekutivfunktionen und im Weiteren des Verhaltens. Auch Kinder mit einem kognitiven Hochleistungspotential können von Teilleistungsschwächen betroffen sein, was zur Maskierung des Hochleistungspotentials, insbesondere im pädagogischen Bezugsrahmen, führen kann.

Im Vortrag werden die Symptomatik von Teilleistungsschwächen auf der Ebene der Leistung und des Verhaltens dargestellt, ein Einblick in die Diagnostik und Behandlung nach dem „Sindelar-Modell“ gegeben und dies in Bezug gesetzt zur Hochbegabung bzw. zum Hochleistungspotential. Die ganzheitliche Perspektive zur kindlichen Entwicklung in ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Dimension findet dabei besondere Beachtung.

Prof. Drs. Albert Ziegler (Universität FAU Erlangen-Nürnberg)
Begabtenförderung und Lernumwelten
Lern- und Leistungsbedingungen für hochbegabte Kinder

In den ersten Forschungsstudien zum Lernen wurde noch versucht, das „reine“ Lernen und die „reinen“ Lerngesetze zu erkunden. Beispielsweise verwendete Ebbinghaus, der Entdecker der Lern- und der Vergessenskurve, in seinen Versuchen als Lernmaterial sinnfreie Silben. Damit wollte er die Verzerrungen, die sich aus persönlichen Erfahrungen mit den Inhalten der Wörter ergeben, minimieren. So wertvoll diese grundlagenwissenschaftlichen Ergebnisse auch sind, vollzieht sich Lernen aber immer in konkreten Situationen und ist immer situiert. Beispielsweise gelten heute die persönlichen Erfahrungen, die Ebbinghaus noch ausschalten wollte, sogar als Lernressource, die gezielt genutzt werden sollte. An dieser Leerstelle der klassischen Lernforschung setzt der Vortrag mit einem Schwerpunkt auf die Hochbegabten an: Was sind die inneren und äußeren Lernressourcen, die bei der Optimierung des Lernprozesses berücksichtigt werden sollten und die in gewisser Weise das „reine“ Lernen erst ermöglichen?
Der Bildungs- und Lernkapitalansatz ist ein neuer Versuch, eine systematische Klassifikation der Lernressourcen (=Kapitale) vorzulegen. Bildungskapital bezeichnet externe (in der Lernumwelt der Hochbegabten) und Lernkapital die internen (in den Hochbegabten selbst liegenden) Lernressourcen. Es werden jeweils fünf verschiedene Arten von Bildungs- und Lernkapital unterschieden. Erfolgreiches Lernen setzt voraus, dass individuelle und umweltbezogene Lernressourcen kompetent kombiniert und genutzt werden.
Der Vortrag ist dreigeteilt. Im ersten Teil wird die Klassifikation der Lernressourcen vorgestellt. Im sich anschließenden zweiten Teil wird anhand von exemplarischen Studienergebnissen gezeigt, wie der unterschiedliche Besitz der verschiedenen Formen von Bildungs- und Lernkapital das individuelle Lernen und den Lernerfolg der Hochbegabten beeinflussen. Schließlich werden im abschließenden dritten Teil pädagogische Implikationen herausgearbeitet und Umsetzungstipps für die Praxis gegeben.